Warum sich IKEA, Amazon und Burger King auf den Weg zu ihren Kunden machen

Warum sich IKEA, Amazon und Burger King auf den Weg zu ihren Kunden machen

Soweit wie Digital Analyst Brian Solis, der Ungeduld als eine Tugend bezeichnet, würde ich nicht gehen. Aber er hat mit Sicherheit recht, wenn er sie als „the mantra for today’s connected consumer“ beschreibt. Auch Google hat den „Impatient Consumer“ als eine der drei wichtigen und aufstrebenden Konsumententypologien identifiziert.

Die wachsende Ungeduld der Konsumenten resultiert aus einem urbanen Lebensstil, der häufig durch Stress und Hektik gekennzeichnet ist. Verstärkt wird sie durch ein jederzeit und überall Online-Sein. „At a time when Amazon is delivering in sixty minutes and when waiting for a cab for more than a few seconds is unthinkable, it would appear that a new consumer mindset is emerging – we are living in the era of impatience“, schreibt Elodie Elkouby von Morgan Philips Executive Search.

Kein Wunder also, dass der Handel angestrengt nach Lösungen sucht, die es den ungeduldigen Konsumenten ermöglichen, schnell, einfach und bequem alles sofort und überall zu bekommen, was sie sich wünschen. Im Zuge dessen erlebt ein altes, aus der vorindustriellen Zeit stammendes Konzept wieder neuen Aufschwung: der fliegende Händler, der einst durch die Lande streifte und immer dort war, wo sich seine Kunden befanden.

Auch heute müssen Händler und Marken wieder dort sein, wo sich ihre Kunde gerade aufhalten, und ihr Angebot muss zu deren Situation passen. Das heißt, sie müssen mobiler werden, indem sie den Verkaufsort zu ihren Kunden bringen oder die bestellten Waren dorthin liefern, wo sich diese gerade befinden, und das innerhalb kürzester Zeit.

Hier sind 6 Best Practices, die zeigen, wie der Trend MOBILE TRADER RELOADED zu neuen, auf die Ungeduld der Shopper abgestimmten Distributionsstrategien führt:

ATYOURGATE

Den Lieferservice des US-amerikansichen Start-ups AtYourGate kann man mittlerweile an mehreren Flughäfen in den USA nutzen. Via „in-airport order and delivery app“ können Flugzeugpassagiere noch schnell vor dem Abflug Essen, Trinken oder Waren bei kooperierenden Händlern und Gastronomen wie Westfield, SSP America oder High Flying Foods bestellen, direkt mobil zahlen und sich innerhalb von 20 bis 30 Minuten zu ihrem Boarding-Gate liefern lassen – unabhängig davon, wo es sich befindet. Der Service richtet sich vor allem an Geschäftsreisende, die die Zeit am Flughafen zum Arbeiten nutzen wollen.

BURGER KING

Mit „Traffic Jam Whopper“ können Burger King Kunden in Mexico City sich einen Hamburger zu ihrem Auto bestellen, während sie im Stau stehen. Die Lieferung erfolgt per Motorrad. Auf Basis von Echtzeit-Verkehrsdaten werden die Kunden via Handy und digitaler Außenwerbung informiert, wenn der Lieferservice für sie verfügbar ist. Laut Burger King stiegen die Lieferaufträge in der ersten Testwoche um 63%. Die Anzahl der App-Downloads waren sogar 44-mal höher. Das Unternehmen plant das Programm auch auf andere Städte mit hohem Verkehrsaufkommen auszuweiten, wie Los Angeles, São Paulo und Shanghai.

AMAZON

Das Coachella Musikfestival ist dafür bekannt, dass Fans von Marken umgarnt werden. In diesem Jahr bot Amazon den Festivalbesuchern einen besonderen Komfort: Online-Lieferungen direkt aufs Festivalgelände. Dazu stellte Amazon mehrere Paketstationen auf dem Gelände auf, wo man seine Online-Bestellungen ohne Aufpreis abholen konnte. Parallel dazu gab es ein kuratiertes Coachella-Portal auf Amazon.com, auf dem man im Voraus oder für den selben Tag Produkte kaufen konnte, die auf dem Festival gebraucht werden, wie Sonnencreme, Hüte, Campingausrüstung etc.

MOBY MART

Es geht auch futuristischer, wie der kassen- und mitarbeiterfreie Convenience Store Moby Mart des schwedischen Start-ups Wheelys zeigt. Er ist ein mobiler und autonomer Store auf Rädern, der selbstständig das Stadtgebiet von Shanghai durchwandert und dorthin fährt, wo die Kunden sind. Sein Anblick erinnert an Science-Fiction-Filme. Er funktioniert komplett ohne Fahrer und Verkäufer und wird über die Cloud von einer KI gesteuert. Zum Einkaufen können die Kunden den Moby Mart herbeirufen, indem sie das Gewünschte via App bestellen. Bezahlt wird kassenlos über Sensoren und RFID.

IKEA

Wie autonome Fahrzeuge dem mobilen Handel neue Möglichkeiten eröffnen, um Kunden dort zu begegnen, wo sie sich gerade aufhalten, demonstriert eine Zukunftsstudie von IKEA. Gemeinsam mit der Innovationsschmiede Space10 und dem Visual Trend Lab foam Studio hat der Möbelhersteller sieben „Spaces on Wheels“ auf Basis autonomer Fahrzeuge entwickelt. Sie zeigen, wie die Wohn-, Shopping- und Lebenswelten der Zukunft aussehen könnte. Bei „Shop on Wheels“ können Kunden, die weder in einem IKEA Store noch online einkaufen wollen, ihren Lieblingsladen ganz einfach nach Hause bestellen.

Foto: Space10

STOP & SHOP

Die US-amerikanische Supermarktkette Stop & Shop bringt zusammen mit dem in San Francisco ansässigen Start-up Robomart autonome Lebensmittelfahrzeuge in Boston auf den Markt. Via App können die Kunden die fahrerlosen Fahrzeuge zu sich beordern, die innerhalb weniger Stunden die gewünschten Einkäufe bringen, z. B. Meal Kits und Convenience-Produkte, aber auch Obst und Gemüse. Die Kunden können die Produkte vor Ort begutachten und selbst eine Auswahl treffen. Die Schnelligkeit und die Qualität der Produkte sollen den entscheidenden Unterschied zu bisherigen Online-Lebensmittel-Lieferdiensten ausmachen.

 


 

Vorschaubild: Space10

Wolf Thiem
thiem@gretchenfrage.com