Was kommt nach Facebook, Instagram & Co.?

Was kommt nach Facebook, Instagram & Co.?

Wissen Sie, woran Sie erkennen können, dass ein Social-Media-Network an Attraktivität verliert? Ein sicheres Indiz dafür ist – wie im Fall von Facebook –, dass es fängt an, Plakatwerbung für sich in den Großstädten zu machen. Es ist also durchaus berechtigt, sich zu fragen, was nach Facebook, Instagram & Co. kommt.

Laut Business Insider verliert Facebook vor allem bei der Generation Z zunehmend an Attraktivität. Im Januar 2019 wurden 13- bis 21-Jährige danach befragt, welche Social-Media-Plattformen sie früher genutzt haben, aber nun nicht mehr nutzen. 30 % gaben Facebook an und hievten es damit auf Platz 1 des Negativ-Rankings.

Weltweit stehen IT- und Technologie-Unternehmen bereit, um Facebook, Instagram & Co. als Nachfolger abzulösen.

Instagram hat Facebook inzwischen als beste Social-Media-Plattform abgelöst. Doch es scheint eine Hassliebe zu sein, die die Gen Z mit Instagram verbindet. 20% der Befragten gaben bereits an, die Plattform nicht mehr zu nutzen, obwohl sie es früher getan hätten. Das kann an der von Instagram forcierten Fear of missing out-Kultur liegen, die sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken kann.

Das hat Konsequenzen. Anfang Juni 2019 sagte Selena Gomez, dass sie Instagram von ihrem Handy gelöscht hat, weil es sie „depressiv“ machte. Das sagt nicht irgendwer auf Instagram. Sie hat dort die drittgrößte Fangemeinde mit 152 Millionen Follower – nach Fussballstar Cristiano Ronaldo und Sängerin Ariana Grande.

Schon stehen weltweit IT- und Technologie-Unternehmen bereit, um den Millennials und der Gen Z neue Wege zu ermöglichen, um in Verbindung zu bleiben, sich zu unterhalten und gleichzeitig ihre Werte und ihr Wohlergehen zu bewahren. Sie wollen ihren Usern gezieltere soziale Interaktionen, ein noch intensiveres Einkaufserlebnis und intuitive kreative Tools bieten.

SOZIALE BEREICHERUNG

Facebook, Instagram & Co. entwickeln sich immer mehr zu Marketing- und Verkaufsplattformen. Ihr ursprünglicher Zweck, soziale Beziehungen zu fördern, geht immer mehr verloren. Im April 2019 startete Snap mit „Bitmoji Party“ sein erstes Multiplayer-Game für Snapchat. Die User können das Mini-Game mit einer kleinen Gruppe von Freunden in Gestalt von Avataren spielen. Indem es das Gefühl vermittelt, mit Freunden zusammen zu sein, führt es die Snapchat-Erfahrung über das reine Messaging hinaus in einen Bereich von Interaktivität und Engagement.

Die Beziehungen und Erfahrungen, die Escapex vermitteln will, gehen über enge Freunde hinaus in Richtung Fangemeinde. Es basiert auf einem Abonnementmodell, bei dem die mehr als 20 Millionen User dafür bezahlen, dass sie Inhalte von Prominenten und Influencern freischalten, um zu sehen, was diese veröffentlichen. Prominente und Influencer haben im Gegenzug dadurch die Freiheit, ihren Content und die Interaktion mit ihren Fans so zu gestalten, wie sie es wollen. Sie müssen dabei nicht irgendwelche Einschränkungen durch Algorithmen und Sponsoring-Deals beachten. Das Ergebnis ist eine engmaschige Community von Fans.

SOCIAL SHOPPING

In China haben Social Shopping Apps die E-Commerce-Landschaft bereits grundlegend verändert. Xiaohongshu gehört dort zu den aufstrebenden Plattformen. Sie setzt konsequent auf Authentizität. Marken und Influencer arbeiten nach strengen Posting-Guidelines, um das Vertrauen ihrer Follower zu gewinnen und aufrechtzuerhalten. Das schafft neue Räume für Online-Communities, die ein authentisches Engagement durch Livestreaming, Kurzvideos oder Foto-Text-Formate fördern. Bis jetzt ist E-Commerce nur ein kleiner Teil von Xiaohongshu. Das wird sich wahrscheinlich ändern, da die Plattform von Alibaba unterstützt wird. Dort ist man auf Monetarisierung bedacht.

Depop ist ein in London ansässiger Social-Shopping-Marktplatz, der sich speziell an die GenZ richtet. Als eine Mischung aus eBay und Instagram können Teenager dort via App alles kaufen und verkaufen, was sie wollen – von Vintage-Kleidung und limitierten Sneakers oder Sonnenbrillen bis hin zu Büchern und Konzertkarten. Viele in der Depop-Community sehen sich selbst als jugendliche „fashion influencers“, die die Plattform nutzen, um ihren Coolness-Faktor auf Instagram zu steigern oder Trends zu entdecken, bevor diese auf anderen Social-Media-Plattformen populär werden. Depop will jetzt in die USA expandieren und dort in den nächsten drei Jahren mehr als 15 Millionen Benutzer erreichen.

KREATIVE INSPIRATION

In einer von Algorithmen beherrschten digitalen Welt entstehen neue soziale Räume, die die Kreativität und eine urteilsfreie Selbstentfaltung fördern wollen, wie z. B. New Life AI. Die Plattform will Talenten die Macht überlassen, die normalerweise von der Kreativwirtschaft ausgeschlossen sind. Intention des Gründers Vector Newman ist, dass das Projekt irgendwann von der Community selbst vorangetrieben wird – ohne Data Farming, Anzeigen oder zentralisierte Algorithmen. Auch VSCO will Menschen helfen, sich in ihre eigene Kreativität zu verlieben. Deshalb können die User ihre kreativen Arbeiten auf der Plattform nur teilen, aber nicht liken oder kommentieren. Vor allem bei Gen Z-lern, die sich dem sozialen Druck und der Facetune-Kultur von Instagram zu entziehen wollen, erfreut sich VSCO wachsender Beliebtheit.

Foto: VSCO

 


 

Vorschaubild: Snap

Wolf Thiem
thiem@gretchenfrage.com