Wie Elon Musk unsere Gehirne zu einer Augmented Intelligence machen will

Wie Elon Musk unsere Gehirne zu einer Augmented Intelligence machen will

Seit Steve Jobs das iPhone 2007 vorstellte und mit ihm den Siegeszug des Smartphones einläutete, warten wir vergeblich auf das nächste große Ding. Damals prophezeiten die Experten, dass die nächste digitale Revolution, die unser Alltagsleben ebenso stark umkrempeln würde, bereits hinter der nächsten Ecke auf uns warten würde.

2013 schien es soweit zu sein, als Google Glass auf den Markt kam, die von den Medien und Experten als „the next big thing“ gefeiert wurden. Forrester prognostizierte, dass ca. 21,6 Millionen US-Amerikaner die Datenbrillen kaufen würden, sobald sie im Laden verfügbar seien. Doch bereits acht Monate nach dem Product Release stellte Google den Verkauf ein.

Elon Musk will das menschliche Gehirn durch ein Brain-Machine-Interface mit einer KI zu einer Augmented Intelligence verschmelzen.

Jetzt scheint das Warten endlich ein Ende zu haben, zumindest nach den Worten von Elon Musk. Seit 2017 ist bekannt, dass der Tesla- und SpaceX-Gründer mit seinem Start-Up Neuralink an der Entwicklung eines Brain-Machine-Interface arbeitet. Es soll das menschliche Gehirn mit einer KI zu einer Augmented Intelligence verschmelzen.

Ende 2020 soll die neue Technologie nun an Menschen getestet werden, wie Musk auf dem Neuralink Launch Event in San Francisco ankündete. Dazu werden flexible Elektroden-„Fäden“, die dünner als das menschliche Haar sind, von neurochirurgischen Robotern in das menschliche Gehirn implantiert. Das soll angeblich so einfach wie eine Augenoperation sein.

Die implantierten Fäden verbinden das Gehirn über einen hinter dem Ohr angebrachten Bluetooth-Empfänger mit einem externen Gerärt, um ein Brain-Machine-Interface zu bilden. Gesteuert wird es über eine Smartphone-App. Für die Zukunft stellen sich die Neuralink-Entwickler sogar einen App-Store für das Gehirn vor. Dort könne man sich dann neue Fähigkeiten, wie z. B. Sprachen oder Kampfsportarten, direkt ins Gehirn laden – ohne sie lernen zu müssen.

Elon Musk sieht in den Implantaten die Zukunft einer „superhuman intelligence“. Für ihn sind sie ein Mittel zur Verbesserung der menschlichen Gehirne, da sie eine Symbiose mit einer künstlichen Intelligenz ermöglichen. Musk ist davon überzeugt, dass der Mensch nur als Cyborg überleben kann.

Elon Musks Implantate würden unsere Alltagswelt und die Zukunft des Shoppings noch radikaler verändern, wie seinerzeit das iPhone.

Sollten Musks Implantate massenmarkttauglich werden, würden sie unsere Alltagswelt noch radikaler verändern, wie seinerzeit das iPhone. Davon wäre natürlich auch die Zukunft der Shopper Experience betroffen.

Wer einen Blick auf die super-intelligente Zukunft á la Musk werfen will, dem empfehlen wir das Video von Keiichi Matsuda. Darin skizzierte der Londoner Designer bereits 2016 ein futuristisches Augmented-Reality-Szenario, in dem die digitale und die physische Welt zu einer kaleidoskopischen „Hyper-Reality“ inklusive Information-Overkill verschmelzen.

Screenshots aus dem Video „Hyper-Reality“ von Keiichi Matsuda via Vimeo

Aber wie dem auch sei, bis wir uns in hyperintelligente und selbstlernende Cyborgs á la Musk verwandeln, wird es noch ein wenig dauern. Musk räumte beim Launch-Event ein, dass eine Zulassung durch die zuständigen Behörde FDA noch längere Zeit auf sich warten lassen könnte.

Ob Musks Implante das nächste große Ding sein werden, wenn alle Hürden gemeistert sind, wird sich zeigen. Darüber entscheidet nicht allein Elon Musk, sondern schlussendlich die Konsumenten. Das haben die Markteinführungen von iPhone und Google Glass gezeigt. Ersteres war auf Anhieb ein Erfolg, obwohl es von der Fachwelt belächelt wurde. Letzteres floppte, ungeachtet der medialen Jubelrufe.

 


 

Vorschaubild: Keiichi Matsuda, Video-Screenshot via Vimeo

Wolf Thiem
thiem@gretchenfrage.com