Wie Händler und Marken ihre Stores mit einer sozialen Mission aufladen

Wie Händler und Marken ihre Stores mit einer sozialen Mission aufladen

Der Mensch ist nicht gern allein. Trotz seiner Ichbezogenheit ist er ein soziales Wesen, das sich nach Gemeinschaft sehnt. Obwohl Facebook, Twitter, Instagram & Co. es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Menschen miteinander zu verbinden, egal, wo und wann, fühlen sich diese  einsamer denn je. Das gilt insbesondere für die Gen Z (Cigna, Mai 2018).

Einer der Gründe dafür sind die digitalen Netzwerke selbst. Immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass die fortschreitende Virtualisierung ihres Lebens ihren Beziehungen in der realen Welt im Weg steht. Sie suchen nach neuen, innovativen Formen der Re-Konnektivität, wie Coworking, Couch Surfing, Urban Gardening etc.

Die Sehnsucht nach einer Kultur, die Beziehungen in der realen Welt fördert, können Handel und Industrie für sich nutzen. Die Verbraucher suchen explizit nach neuen sozialen Räumen, wo sie ihre Isolation durch gemeinsame Erfahrungen überwinden können. Das können auch Shops sein, wie die Town Squares von Apple Stores erfolgreich zeigen.

Immer mehr Händler und Marken beginnen über Sinn und Zweck ihrer Läden und ihrer Rolle in der Gesellschaft neu nachzudenken. Dabei orientieren sie sich an den Tante-Emma-Läden von einst, die mehr als nur Nachbarschaftsläden waren. Sie fungierten auch als Community Hubs, wo man sich traf, um sich auszutauschen.

Nicht nur Concept Stores, auch große Handelsketten tragen dem Mega Shopper Trend Wedentity Rechnung und verwandeln ihre Läden in Community Hubs. Sie veranstalten Virtual Reality Events oder eröffnen Indoor-Skateparks, um Räume für gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.

Hier sind 6 Best Practices zum Trend TANTE EMMA RELOADED, die zeigen, wie Händler und Marken ihre Stores mit einer sozialen Mission aufladen.

NIKE

Nike nutzt schon seit längerem die vereinigende Kraft des Sports für sein Community-Store-Programm, um gesundheitsbewusste lokale Communities aufzubauen und als Katalysator für positive Veränderungen zu dienen. Jetzt hat Nike seinen allerersten Store von 1967 am 3107 Pico Boulevard in Santa Monica, Kalifornien, wiedereröffnet. Er war schon damals ein Treffpunkt für Läufer und Fitnessliebhaber. Der neue alte Store, der eine Läufer-Bibliothek beherbergt und Erinnerungsstücke der Firmengeschichte präsentiert, soll erneut als lokaler Community Hub dienen, wo sich Läufer über ihren Sport und letztendlich über Schuhe unterhalten können.

Foto: Nike

LULULEMON

Die kanadische Sportbekleidungsmarke Lululemon eröffnete gemeinsam mit dem US-amerikanischen Verlag Penguin Random House eine zum Lesen anregende Minibibliothek in ihrem Flagship-Store und Community Space HUB Seventeen in New York. Die Pop-up-Bibliothek umfasste über 1.000 Bücher. Neben Belletristik gab es Bücher über Gesundheit, Fitness und Achtsamkeit sowie die dazugehörigen Hörbuchausgaben. Zusätzlich fanden Lesungen mit prominenten Autoren und „curated food experience presentations“ statt. Im Hub Seventeen werden regelmäßig Community-Events rund um Yoga, Wellness und mehr veranstaltet.

Foto: Lululemon

THE BODY SHOP

The Body Shop will ihre britischen Filialen in „activist hubs“ verwandeln, um das Image ihrer Marke zu revitalisieren und mehr Kunden in die Läden zu locken. Damit reagiert die Kosmetik-Einzelhandelskette auf die rückläufigen Verkaufszahlen in den britischen Einkaufsstraßen. Im Zuge dessen hat sie ihren Markenzweck neu definiert und „Aktivismus in den Mittpunkt ihrer Markenstrategie“ gestellt. Die Mitarbeiter sollen speziell geschult werden, um „lokale Aktivismus-Projekte“ zu initiieren. Schwerpunkt ist die Gleichstellung der Geschlechter, da sich The Body Shop als feministische Marke versteht.

SELFRIDGES

Das britische Kaufhaus Selfridges eröffnete den ersten In-Store-Skatepark Großbritanniens. Er soll sowohl die Beziehung zur Jugendszene stärken als auch das sich wandelnde Gesicht des modernen Luxus zum Ausdruck bringen. Das von Mighty Mighty, einer Agentur für Markenaktivierung, entwickelte und auf Männermode ausgerichtete Konzept richtet sich nicht nur an Männer, sondern auch an Frauen, die gerne Herrenmode kaufen. Die komplett aus Holz gefertigte „Skate Bowl“ soll das enge Verhältnis von Mode und Straßenkultur veranschaulichen. Selfridge betrachtet sie als Teil seiner DNA und seiner Funktion als „social hub“.

WALMART

Walmart wird 12 seiner Standorte in „Town Centers“ umwandeln, um sie zu Orten zu machen, wo sich die Menschen treffen, unterhalten und gemeinsame Aktivitäten ausüben können. Das Konzept ist Teil einer übergeordneten Strategie, mit der sich die US-amerikanische Handelskette tiefer in die fast 5.000 Gemeinden einbringen will, die sie bedient. Jedes Town Center wird nach den spezifischen Bedürfnissen der Gemeinden gestaltet – mit Bereichen für lokale Events, Spielbereichen für Familien und Kinder sowie Gesundheits- und Wellness-Bereichen. Mit den Town Centers will Walmart mehr Menschen in die Walmart-Community einbinden.

CONVENIENCE

Convenience in Toronto ist mehr als nur ein Nachbarschaftladen. Wie der Name schon andeutet, ist er eine Mischung aus Convenience Store, Bar und Restaurant. Mit seinem Retro-Design soll er vor allem die Millennials in der Nachbarschaft an die „corner shops“ ihrer Kindertagen erinnern. Dementsprechend ist die Inneneinrichtung ein Retro-Mix aus Neon-Zeichen, Retro-Tapeten und handgenähten, von Video-Games inspirierten Wandbildern. Retro-Telefonhörer fungieren als „party lines“, über die man Musik und aufgezeichnete Nachrichten hören kann. Der Store bietet ein nostalgisches Angebot an Mitnahme-Produkten an.

 


 

Beitragsvorschaubild: Mighty Mighty

Wolf Thiem
thiem@gretchenfrage.com