Wie Marken wie Walmart das automatisierte Einkaufen in ein magisches Erlebnis verwandeln

Wie Marken wie Walmart das automatisierte Einkaufen in ein magisches Erlebnis verwandeln

„Zwei Seelen, wohnen, ach! in meiner Brust!“ – dieser Ausspruch von Goethes Faust, der seine innere Zerrissenheit widerspiegelt, lässt sich genauso auf die Connected Shopper anwenden. Auch sie sind zwischen zwei Optionen hin- und hergerissen. Zum einen wollen sie, dass der physische Einkauf schnell, bequem und einfach vonstatten geht. Anderseits erwarten sie eine einzigartige und außergewöhnliche Shopper Experience.

In den vergangenen Jahren wurde viel mit neuen Technologien wie Gesichtserkennung, Künstliche Intelligenz, Standortverfolgung, automatisiertes Bezahlen etc. experimentiert. Sie sollen den Einkauf im Laden von der Entscheidungsfindung bis zur Kaufabwicklung vereinfachen und beschleunigen. Amazon Go und Alibaba haben dazu beigetragen, „automated commerce“ ins Bewusstsein der Shopper zu rücken.

Laut ECC Köln sind die Konsumenten neuen digitalen Technologien gegenüber durchaus aufgeschlossen, wenn der Mehrwert stimmt. Aber eine Studie von Reply in Großbritannien zeigt auch, dass die Menschen eine vollständig automatisierte Kaufentscheidung als unangenehm empfinden. Die Automatisierung muss so gestaltet sein, dass sie den Wunsch der Shopper nach Individualität und Einzigartigkeit erfüllt.

Die nächste Generation der Automatisierung muss die Effizienz von automatisierten Prozessen mit einem außergewöhnlichen, also „magischen“ Erlebnis kombinieren. Hier sind 6 Best Practices für AUTOMAGICAL COMMERCE, die eine von der Automatisierung getriebene Shopper Experience bieten, die die Kunden begeistert.

WALMART

Walmart nutzt einen seiner Neighborhood Market Stores als „Intelligent Retail Lab“ (kurz „IRL“), um neue KI-gesteuerte Einzelhandelstechnologien in einer realen Umgebung zu testen. Das Geschäft ist mit 1500 Kameras, Sensoren und einem großen, öffentlich zugänglichen Rechenzentrum ausgestattet, um den Warenbestand in Echtzeit zu verfolgen und „Out of Stock“-Produkte automatisch nachzufüllen. Statt für kassenloses Checkout nutzt Walmart die KI, um sicherzustellen, dass Einkaufswagen jederzeit verfügbar und die Kassen geöffnet sind. Auf einer interaktiven Wand können die Shopper mit der KI spielerisch interagieren.

SINGTEL

In Singapur hat der Telekommunikationsanbieter Singtel einen mobilen Pop-up-Store aufgestellt. Im „Unboxed“-Store können Kunden rund um die Uhr bestellte Geräte abholen und Zubehör wie Kopfhörer, Handytaschen oder Powerbanks kaufen. Über einen Selbstbedienungsterminal mit Gesichtserkennung können sie Rechnungen bezahlen und Prepaid-Karten aufladen. Zudem erhalten sie personalisierte Produkt- und Tarifempfehlungen. Wer Hilfe braucht, kann sich über Video-Chat an einen Berater wenden. Der kleine Laden kann jederzeit zusammengeklappt und an einem anderen Ort wieder aufgestellt werden. Das sorgt für größtmögliche Kundennähe.

VINGROUP

Vingroup betreibt über 1.800 Supermärkte und Convenience-Stores n Vietnam. Die neuesten VinMart Filialen kommen ohne Ladenlokal aus. Sie existieren nur als Großflächenplakate im öffentlichen Raum. Die Werbetafeln präsentieren 100 Produkte aus dem Sortiment des Händlers. Mit der App „VinID“ können die Kunden den QR-Code des gewünschten Artikels scannen. Gezahlt wird per App. Innerhalb weniger Stunden wird die bestellte Ware nach Hause geliefert. Vingroup reagiert damit auf den demographische Wandel in Vietnam, wo es immer schwieriger wird, Personal für die Convenience-Stores zu finden.

Foto: VinMart

PETZ

Auf der E-Commerce-Website der brasilianischen Zoohandlungskette Petz können Hunde ihr Futter selbst einkaufen. Mittels Gesichtserkennungstechnologie und Künstlicher Intelligenz wird die Reaktion des Hundes auf die Produkte identifiziert, die auf dem Monitor gezeigt werden. Der Besitzer braucht seinen Hund nur vor den Computer setzten und die gewünschte Produktkategorie anklicken. Während der Hund den Produktvideos zuschaut, analysiert die KI seine Reaktion. Ist sie positiv, wird das Produkt automatisch in den Warenkorb gelegt.

MINISTRY OF SUPPLY

Die US-Bekleidungsmarke Ministry of Supply hat in Kooperation mit dem MIT eine Lösung für das Effizienz-Problem bei der „mass customization“ in der Modebranche entwickelt. Mit einem neuen In-Store-Service können die Pullover der Marke perfekt an die Körpermaße der Kunden angepasst werden, während sie im Geschäft warten. Dazu wird eine „robotic heat gun“ und ein Pullover aus einem speziellen Stoff verwendet, der bei Hitze schrumpft. Der Pullover wird in Standardgrößen hergestellt werden. Der individuelle Anpassungsprozess findet im Laden und nicht während des Produktionsprozesses statt.

BURGER KING

Zur Feier des Internet Day hat Burger King Chile in Kooperation mit der US-amerikanischen Livestreaming-Plattform Twitch seine Kunden eingeladen, ihren eigenen Burger zu kreieren. Bei dem eintägigen Online-Event „Twitch Cooks a Whopper“ konnten die User via Chat einen Roboterarm steuern, mit dem sie aus einer Vielzahl von Lieblingszutaten wie Avocado, Salat, Tomate, Gurke, Ketchup und Zwiebeln auswählen konnten. Angaben von Twitch zufolge, nutzen 1,5 Millionen Chilenen die Livestreaming-Plattform.

 

Wenn Sie wissen wollen, was den Shopper Trend AUTOMAGICAL COMMERCE antreibt und was ihn so relevant macht, können Sie unseren Short Brief zum Trend hier downloaden.

 


 

Vorschaubild: Walmart via WWD

Wolf Thiem
thiem@gretchenfrage.com